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Emotionale Macht der Noten

August 4, 2017

 

Musik kann Emotionen in uns Menschen hervorrufen. Bereits wenige Takte reichen, um uns in Erinnerungen zu versetzen, zum Tanzen zu animieren, in Partystimmung zu bringen, in Trauer zu verfallen. Die Bandbreite der Musik ruft komplexe Gefühle hervor. Je nach persönlicher Gemütslage wirkt Musik als Stimmungsverstärker, positiv wie negativ. Im Alltag begegnen wir einer Vielzahl verschiedener Musikquellen. Musik am Arbeitsplatz und im Auto, Handy-Klingeltöne, Berieselung in Kaufhäusern. Melodien, die ins Unterbewusstsein wandern und unser Gedächtnis ausbilden, ohne dass wir dies wahrnehmen.

 

Musik besitzt die Fähigkeit, unser Gedächtnis direkt anzusprechen und uns dabei in die emotionale Vergangenheit zu versetzen. Dabei schaffen wir es ohne aktives Zutun, die Gefühle von damals abzurufen und dies, obwohl wir oftmals nur wenige Takte angespielt bekommen. Nicht selten gesellen sich zur auditiven auch noch die taktile und olfaktorische Erinnerung, sozusagen als Kombination der seinerzeitigen Sinneserfahrung im erlebten Moment hinzu und lösen dabei a posteriori ein einmaliges sinnliches Feuerwerk aus.

 

Musik als Bindeglied zwischen Menschen. Gleichzeitig ist sie Auslöser von Gänsehaut, dem herausgebildeten Reflex von uns Säugetieren, transferiert auf die Akustik, mit der unser Organismus Verbundenheit und Nähe mit anderen aufbauen möchte. Menschen, die mit Gänsehaut auf Musik reagieren, bringen spezielle Charakteristika mit, wie z. B. eine ausgeprägte Imaginationsfähigkeit, und sie verfügen über die Skills, in direkten Kontakt mit ihren Gefühlen gehen zu können. Sie weisen eine profunde emotionale Verbindung zur Musik auf und können sich vorstellen, wie ein Musikstück sich fortsetzt. Da unser Gehirn im weitesten Sinne nach einer abgewandelten Art des Belohnungsprinzips funktioniert, werden beim Hören von Musik dieselben synaptischen Verbindungen angesprochen wie bei der Einnahme von Drogen oder bei der Sexualität, auch wenn hier eigentlich von chemischen Körperreaktionen gesprochen wird. Neuronalen Verknüpfungen haben wir es zu verdanken, dass diese Prozesse in Gang kommen und Musik in uns Erinnerungen auslösen kann. Umso erstaunlicher, als das Gehirn eine große Herausforderung zu bewältigen hat, wenn es unterschiedliche Tonhöhen, Melodien und Rhythmen kombinieren muss.

 

In der Musik finden wir Trost und Freude. Menschen mit hoher Empathie-Fähigkeit, die sich in einer reduzierten emotionalen Stabilitätsphase befinden, lassen sich häufig von trauriger Musik einfangen. Sie hilft ihnen dabei, ihre negativen Empfindungen zu nivellieren und zu klassifizieren. Ist die Erinnerung an eine Lieblingsmusik positiv, wird auch Jahre später diese positive Emotion abgerufen, wenn man dieselbe Musik erneut hört. Diese Aufgabe übernimmt der mittlere präfrontale Cortex. Dieser Effekt entsteht, weil unser Gedächtnis diese Musik zusammen mit einem besonderen Lebensereignis und den dies begleitenden Gefühlen abgespeichert hat. Der britische Psychologe John Booth Davies nennt dieses Prinzip als „Darling, they are playing our tune“-Phänomen.

 

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