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Der Machtmensch

 

Machtmensch

Wortart: Substantiv, maskulin

 

Der Machtmensch ist in unserer Gesellschaft eine durchaus weit verbreitete Erscheinung. Er bestimmt unser Dasein in einer für ihn akzeptablen Form. Er handelt ausschließlich zu seinem eigenen Vorteil, bestimmt Tagesablauf, Vorgänge, Time Slots, Inhalte, etc. Ja, es geht sogar so weit, dass das gesamte Umfeld seinen Bestimmungen folgt. Der Machtmensch bringt die als Anweisung wahrnehmbaren Impulse in einer derartig überzeugenden Form, dass man sich erst mal dem Gesagten fügt und sich dessen nicht oder kaum bewusst ist. Man gibt ja als Gegenüber damit vorläufig die eigene Bestimmung ab. Gefühle, Wünsche und eigene Bedürfnisse treten automatisch in den Hintergrund, man ist mit der Erfüllung seiner Vorgaben beschäftigt. Eigenartigerweise verfügt der Machtmensch meist über die manipulativen Instrumente, um das Umfeld in einer überzeugenden und charmanten Art und Weise dorthin zu bringen, wo er es gerne hätte. In seinen Zielerfüllungsbereich. 

 

Wie entsteht dieses „Machtmenschentum“?

 

Oft liegen die Wurzeln bereits im frühen Kindesalter. Machtmenschen können nie genug Macht bekommen. Wieso Macht? Weil Macht ein angenehmes Instrument darstellt, um Erniedrigung zu eliminieren. Niedrige Selbsteinschätzung bringt ein dauerhaftes Minderwertigkeitsgefühl hervor. Diese subjektiv empfundene Minderwertigkeit kann aus der (ungünstigen) Geschwisterposition oder aus der konstitutionellen Minderwertigkeit erwachsen. Einzig eine Kompensation bietet den Weg aus dem Gefühl der Minderwertigkeit und kann das Persönlichkeitsgefühl erhöhen. Nur wenn der Machtmensch sich selbst erhöht, hat er das Gefühl, einen Wert zu haben. Je früher das Minderwertigkeitsgefühl an den Tag tritt, desto intensiver ist der Wille zum Ausüben der Macht.   

 

Wie geht man also mit der Präsenz des Machtmenschen um?

 

Im Umfeld des Machtmenschen gibt es letztendlich drei pragmatische Ansätze:

  1. Man fügt sich den Vorgaben des Machtmenschen. Konkret bedeutet dies, dass man seine eigenen Bedürfnisse stark hinten anstellt und sich jenen des Bestimmers beugt. Nur, um Ärger aus dem Weg zu gehen.

  2. Man „wehrt“ sich gegen die Vorgaben des Machtmenschen. In diesem Fall ist eine Konfrontation vorherbestimmt. Konflikte sind programmiert. Der Machtmensch ist auf Dauer nicht fähig, die getroffenen Kompromisse einzuhalten. Er fällt immer wieder zurück in sein Muster. Der Nicht-Bestimmer leidet.

  3. Man geht getrennte Wege. Unüberwindbare gegensätzliche Betrachtungen machen ein Zusammenleben unmöglich. Zumindest ein Zusammenleben, das für beide Beteiligten OK ist und niemanden dabei verletzt.

Machtmenschen lauern an jeder Ecke. Die Nicht-Bestimmer müssen unbedingt lernen, gegen die Machtmenschen zu bestehen, damit hier eine Schadensbegrenzung im emotionalen Bereich stattfinden kann. Der Nicht-Bestimmer sollte sich diesem Zustand, den der Machtmensch vorgibt, nicht mehr beugen müssen. Er sollte vielmehr über Werkzeuge verfügen, die ihm dabei helfen, gegen den Bestimmer-Rhythmus zu bestehen und dabei keinen psychischen Schaden zu bekommen. Im Schatten des Machtmenschen ist ein Aufkommen von Geringschätzung und Zweifeln an persönlichen Defiziten nicht weit. 

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