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Vincent X.

 

VINCENT X.

 

Er fuhr sich mit der Hand durch seine Haare, richtete dabei den Oberkörper auf und lehnte sich zurück. Dabei nahm er diese eine für ihn typische Position ein, wenn er sich mehr als üblich auf etwas konzentrierte und kurz davon Abstand nahm. Gedanklich wie körperlich. Stereotyp verschränkte er seine Arme hinter dem Kopf, sein Shirt schob sich nach oben und erlaubte mir dadurch einen Blick auf seine dunkle Bauchbehaarung. Wenn ich mit ihm am Tisch saß, war das Nicht-miteinander-reden eine äußerst angenehme Lösung. Allein seine Anwesenheit machte die Situation für mich schon perfekt.

 

Es war diese Vertrautheit, diese innere Schönheit. Obwohl wir uns nicht oft sahen, war jede Begegnung ein simpler Selbstläufer. Wir machten dort weiter, wo wir das letzte Mal aufgehört hatten. Einfach so, ohne Pause. Und jedes Mal wünschte ich mir, dass die Zeit nicht vorbei ging, sondern dass sie stehenblieb. Nur für mich und für den Moment. Konserviert für die Ewigkeit. Dass ich ihn einfach ansehen konnte, unbeobachtet und uneingeschränkt. Ich stellte mir dann vor, wie es wäre, in seinen Armen einzuschlafen und den Geruch seines Körpers für immer abzuspeichern…

 

„Die Sehnsucht ist ein Verstärker des Wunsches“ (Marcel Proust)

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