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  • Susanne Wiedl

Gegen das Schreiben – ein theoretischer Selbstversuch

SCHREIBEN. EINE SUCHT. Die SCHREIBSUCHT beginnt damit, dass sie nicht beachtet wird. Weder vom Süchtigen selbst, noch vom Umfeld. Man ist abhängig, dies wird jedoch in höchstem Maß toleriert. Sogar gefördert. Der Exzess des Schreibenden ist eine willkommene Erscheinung, die gesellschaftlich verherrlicht wird. Niemand denkt dabei an die SUCHT und die damit einhergehenden Folgen. Der SCHREIBSÜCHTIGE wird sogar noch unterstützt, ihm werden besondere Skills untergeschoben, die Erscheinung hat einen Namen: Leidenschaft!


Sollte man die Gedanken verbieten, damit dem SCHREIBSÜCHTIGEN der Stoff ausgeht? Damit er seinen Fluss an gedachten Konstrukten bremsen oder gar einstellen kann. SCHREIBSÜCHTIGEN sollte genauso die Möglichkeit der Heilung gegeben werden wie den Drogenabhängigen. Ein Entzug ohne Tastatur und ohne Bücher. Einzig im Sein. Keine Buchstaben.


Im Alltag sind wir umgeben von Buchstaben, Silben und Wörtern. Auf der Straße, am Bahnhof, am Flughafen. Könnte ein sogenanntes Schreib- und Leseverbot wie eine Therapie fungieren? Eine Möglichkeit bieten, geheilt zu werden von der Besessenheit, Sätze zu bilden. Wer soll denn das alles lesen, was täglich formuliert wird? Ein Entzug könnte den SCHREIBSÜCHTIGEN zumindest dahingehend zwingen, Sprache nur noch fragmentarisch zu bilden. In Form von Messages, die in ihrer Anschlagszahl stark begrenzt sind und Fließtexte verhindern. Eindämmen könnte den Schreibfluss auch die Auflage, Texte rückwärts denken und verfassen zu müssen. Die vermutlich verminderte Geschwindigkeit in der Textproduktion würde somit zu einer natürlichen quantitativen – und unter Umständen auch qualitativen – Eindämmung der Schreibsucht führen.


Vorstellbar wäre auch eine Limitierung der zu verbrauchenden Wörter pro Tag. Ohne Möglichkeit der Mehrfachnennung. Wenn dann das Kontingent erschöpft ist, herrscht Stille. Stille im Schreiben und im Sprechen. Ein Selbstversuch!

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